Schafe auf Stroh im Stall

Ratgeber · Schafe

Klauenpflege bei Schafen: Klauen beurteilen, bevor Lahmheiten entstehen

8. September 2026 Lesezeit ca. 8 Minuten

Klauenpflege bei Schafen: Worauf bei der regelmäßigen Kontrolle der Klauen zu achten ist, wann eine Korrektur notwendig sein kann und welche Veränderungen genauer abgeklärt werden sollten.

Die Klauen eines Schafes verändern sich fortlaufend. Klauenhorn wächst nach und wird durch Bewegung und Untergrund beansprucht und abgenutzt. Wie gut Wachstum und natürliche Abnutzung im Gleichgewicht stehen, hängt unter anderem von den Haltungsbedingungen, dem Untergrund, der Bewegung und dem einzelnen Tier ab.

Deshalb gehört die regelmäßige Kontrolle der Klauen zur Tierbeobachtung. Klauenpflege bedeutet dabei nicht automatisch Klauenschneiden. Zunächst wird beurteilt, ob überhaupt eine Korrektur notwendig ist.

Auch der Bewegungsablauf gehört dazu. Veränderungen können bereits auffallen, bevor eine ausgeprägte Lahmheit erkennbar wird.

Warum Klauenpflege bei Schafen so wichtig ist

Die Klauen tragen das Körpergewicht des Schafes und sind bei jedem Schritt unterschiedlichen Belastungen ausgesetzt. Gleichzeitig wächst das Klauenhorn kontinuierlich nach.

Wie stark es sich auf natürliche Weise abnutzt, unterscheidet sich je nach Haltung. Untergrund, Feuchtigkeit, Bewegung und individuelle Eigenschaften beeinflussen die Entwicklung der Klauen.

Reicht die natürliche Abnutzung nicht aus, kann übermäßig gewachsenes Horn entstehen und die Form der Klaue verändern. Gleichzeitig können ungünstige Bodenverhältnisse, anhaltende Feuchtigkeit und Verschmutzungen die Klauengesundheit beeinträchtigen.

Das Ziel der Klauenpflege besteht deshalb nicht darin, Klauen möglichst häufig zu schneiden. Entscheidend ist, Veränderungen frühzeitig zu erkennen und nur dann zu korrigieren, wenn dies tatsächlich erforderlich ist.

Der Aufbau der Schafklaue

Schafe besitzen an jeder Gliedmaße zwei Hauptklauen. Die Hornkapsel schützt die darunterliegenden empfindlichen und durchbluteten Strukturen.

Zu den von außen erkennbaren Bereichen gehören unter anderem die Hornwand, die Sohle, der Ballenbereich und der Kronsaum. Zwischen den beiden Klauen liegt der Zwischenklauenspalt.

Für eine fachgerechte Klauenpflege ist die Kenntnis dieser Strukturen wichtig. Klauenhorn darf nicht beliebig weit entfernt werden. Eine zu starke Bearbeitung kann empfindliche und durchblutete Bereiche verletzen und Schmerzen sowie Blutungen verursachen.

Wer die Klauen seiner Schafe selbst korrigieren möchte, muss deshalb den normalen Aufbau der Klaue kennen und gesundes von verändertem Horn unterscheiden können.

Worauf bei der Kontrolle der Klauen zu achten ist

Eine Klauenkontrolle beginnt nicht erst an der angehobenen Gliedmaße. Bereits beim Stehen und bei der Fortbewegung können Veränderungen auffallen.

Anschließend werden die einzelnen Klauen genauer betrachtet. Dabei sind mehrere Merkmale von Bedeutung.

  • Form. Länge, Form und Stellung der Klauen werden miteinander verglichen. Übermäßig gewachsenes oder verformtes Horn kann darauf hinweisen, dass die natürliche Abnutzung nicht ausreicht.
  • Hornbeschaffenheit. Risse, Ablösungen, Hohlräume oder andere Veränderungen des Klauenhorns sollten genauer beurteilt werden. Nicht jede Veränderung hat dieselbe Ursache und nicht jede lässt sich durch einen Klauenschnitt beheben.
  • Zwischenklauenspalt. Auch die Haut im Zwischenklauenspalt gehört zur Kontrolle. Rötungen, Schwellungen, Feuchtigkeit oder andere auffällige Veränderungen können auf eine Erkrankung hinweisen.
  • Geruch. Ein ungewöhnlicher oder unangenehmer Geruch im Bereich der Klauen kann gemeinsam mit anderen Veränderungen ein wichtiges Warnzeichen sein. Der Geruch allein erlaubt jedoch keine sichere Bestimmung der Ursache.
  • Bewegungsablauf. Entlastet ein Schaf eine Gliedmaße, verändert sich sein Gang oder bewegt es sich auffällig, muss nach der Ursache gesucht werden. Eine Lahmheit ist ein wichtiges Anzeichen, sagt allein jedoch noch nicht, welche Erkrankung oder Verletzung vorliegt.

Wie oft müssen Schafklauen kontrolliert und geschnitten werden?

Für die Klauenpflege ist es sinnvoll, zwischen Kontrolle und Korrektur zu unterscheiden.

Die Klauen sollten regelmäßig kontrolliert werden. Wie häufig dies erforderlich ist, hängt unter anderem von Haltung, Untergrund, Jahreszeit, Klauenzustand und bekannten Problemen im Bestand ab.

Zusätzliche Kontrollen bieten sich bei Arbeiten an, bei denen die Tiere ohnehin einzeln betrachtet werden. Zeigt ein Schaf Veränderungen im Bewegungsablauf oder andere Auffälligkeiten, sollte die Kontrolle unabhängig von einem geplanten Termin erfolgen.

Ein Klauenschnitt ist dagegen nicht automatisch bei jeder Kontrolle erforderlich. Ob Horn korrigiert werden muss, entscheidet der tatsächliche Zustand der Klaue.

Starre Schnittintervalle können deshalb problematisch sein. Bei einem Tier kann eine Korrektur notwendig sein, während bei einem anderen Tier desselben Bestandes zu diesem Zeitpunkt kein Grund zum Schneiden besteht.

Klauen schneiden: Nur so viel wie erforderlich

Eine fachgerechte Klauenkorrektur soll übermäßig gewachsenes Horn entfernen und eine funktionelle Klauenform erhalten oder wiederherstellen.

Dabei gilt nicht, dass eine besonders stark zurückgeschnittene Klaue besonders gut gepflegt ist. Gesundes tragendes Horn sollte nicht unnötig entfernt werden.

Vor einer Korrektur muss die Klaue ausreichend sauber sein, damit Aufbau und mögliche Veränderungen beurteilt werden können. Das Schaf muss sicher und möglichst ruhig gehalten werden.

Welche Bereiche korrigiert werden müssen und wie weit Horn entfernt werden darf, hängt vom Zustand der jeweiligen Klaue ab. Deshalb eignet sich eine starre Schneideanleitung nicht für jede Klaue.

Wer noch nicht sicher beurteilen kann, welches Horn entfernt werden kann und welche Strukturen erhalten bleiben müssen, sollte sich die praktische Klauenpflege fachkundig zeigen lassen, bevor selbstständig Klauen korrigiert werden.

Kommt es zu einer Blutung, wurde durchblutetes Gewebe verletzt. Eine solche Verletzung muss entsprechend versorgt und beobachtet werden. Bei stärkeren Verletzungen, auffälligen Veränderungen oder Unsicherheit ist eine tierärztliche Beurteilung erforderlich.

Geeignetes Werkzeug und Hygiene

Für die Klauenpflege sollte geeignetes, sauberes und gut funktionierendes Werkzeug verwendet werden.

Welches Werkzeug benötigt wird, hängt von der jeweiligen Arbeit und der Erfahrung des Anwenders ab. Entscheidend ist, dass Horn kontrolliert bearbeitet werden kann und das Werkzeug sicher gehandhabt wird.

Werkzeuge können Krankheitserreger von einem Tier auf ein anderes übertragen. Reinigung und eine geeignete Desinfektion sind deshalb besonders wichtig, wenn an den Klauen krankhafte Veränderungen auftreten oder ansteckende Klauenerkrankungen im Bestand vermutet werden.

Ein beliebiges Messer ist kein Ersatz für geeignetes Klauenpflegewerkzeug.

Nicht jede Lahmheit ist Moderhinke

Lahmheiten bei Schafen können unterschiedliche Ursachen haben. Veränderungen an den Klauen, Verletzungen, Fremdkörper und verschiedene Erkrankungen kommen als Auslöser infrage.

Deshalb sollte eine Lahmheit nicht allein aufgrund ihres Erscheinungsbildes als Moderhinke bezeichnet werden.

Auffällige Klauen müssen genau beurteilt werden. Besonders bei mehreren betroffenen Tieren oder bei Veränderungen, die auf eine ansteckende Erkrankung hinweisen, ist eine schnelle Abklärung wichtig.

Das frühzeitige Erkennen einer Lahmheit dient dabei nicht nur der Klauengesundheit. Ein schmerzhaft veränderter Bewegungsablauf beeinträchtigt das Wohlbefinden des Tieres und kann sich auf Futteraufnahme, Bewegung und Allgemeinzustand auswirken.

Moderhinke: Eine ansteckende Klauenerkrankung

Kurz erklärt

Moderhinke ist eine ansteckende Klauenerkrankung bei Schafen. Der Erreger Dichelobacter nodosus spielt dabei die entscheidende Rolle.

Die Erkrankung kann unterschiedlich ausgeprägt sein. Veränderungen können im Zwischenklauenspalt beginnen und im weiteren Verlauf auch zu einer Ablösung beziehungsweise Unterminierung von Klauenhorn führen. Lahmheiten können deutlich ausgeprägt und für die betroffenen Tiere schmerzhaft sein.

Nicht jedes infizierte Tier muss zu jedem Zeitpunkt deutlich erkennbare Veränderungen zeigen. Deshalb reicht es bei einem Verdacht nicht aus, nur offensichtlich lahmende Tiere zu betrachten.

Eine sichere Beurteilung kann neben der Untersuchung der Tiere auch einen gezielten Erregernachweis erfordern.

Bei Verdacht auf Moderhinke sollte deshalb tierärztlich geklärt werden, ob die Erkrankung tatsächlich vorliegt und welche Maßnahmen für den gesamten Bestand erforderlich sind.

Moderhinke betrifft den Bestand

Moderhinke ist keine Erkrankung, die sinnvoll allein durch das Ausschneiden einer auffälligen Klaue behandelt werden kann.

Wird Dichelobacter nodosus in einen Bestand eingeschleppt, können auch Tiere beteiligt sein, die zunächst keine deutlichen Veränderungen zeigen. Deshalb muss bei der Bekämpfung die gesamte Herde berücksichtigt werden.

Welche Maßnahmen notwendig sind, hängt von der Situation im Bestand ab. Untersuchung, Behandlung, Hygienemaßnahmen und weitere Schritte müssen aufeinander abgestimmt werden.

Eine pauschale Empfehlung für ein bestimmtes Klauenbad oder ein bestimmtes Arzneimittel wäre deshalb nicht sachgerecht. Die Behandlung und eine gegebenenfalls erforderliche Bestandssanierung sollten gemeinsam mit dem betreuenden Tierarzt geplant werden.

Neue Tiere und Klauengesundheit

Mit neu zugekauften Tieren können auch Klauenerkrankungen in einen bislang unauffälligen Bestand gelangen.

Deshalb sollte die Klauengesundheit bereits beim Zukauf berücksichtigt werden. Die Klauen neuer Tiere werden kontrolliert und ihr Gesundheitsstatus sollte möglichst bekannt sein.

Wie neu eingestellte Tiere in den bestehenden Bestand integriert werden, sollte Teil des betrieblichen Gesundheitsmanagements sein. Bei einem konkreten Risiko für ansteckende Erkrankungen können weitergehende Maßnahmen erforderlich sein.

Allein ein kurzer Blick auf die Klauen unmittelbar vor dem Zusammenstellen der Tiere kann eine Infektion nicht sicher ausschließen.

Haltung und Klauengesundheit

Klauengesundheit wird nicht allein mit der Klauenschere erhalten.

Untergrund, Feuchtigkeit, Sauberkeit und Bewegungsmöglichkeiten beeinflussen die Bedingungen, denen die Klauen täglich ausgesetzt sind. Besonders dauerhaft feuchte und stark verschmutzte Bereiche sollten vermieden werden.

Stark beanspruchte Stellen wie Tränken, Futterbereiche oder Zugänge können besondere Aufmerksamkeit benötigen, weil dort Boden und Klauen regelmäßig belastet werden.

Gleichzeitig ist auch ein möglichst trockener Untergrund kein Ersatz für die Kontrolle der Tiere. Klauenerkrankungen haben unterschiedliche Ursachen und lassen sich nicht allein über die Bodenbeschaffenheit verhindern.

Gute Klauenpflege verbindet deshalb Haltung, regelmäßige Beobachtung, bedarfsgerechte Korrektur und das frühzeitige Erkennen krankhafter Veränderungen.

Die wichtigsten Punkte bei der Klauenpflege

  • Regelmäßig kontrollieren. Klauenform, Hornbeschaffenheit, Zwischenklauenspalt und Bewegungsablauf werden regelmäßig beurteilt.
  • Nicht automatisch schneiden. Eine Kontrolle bedeutet nicht, dass anschließend Horn entfernt werden muss. Geschnitten wird nur, wenn eine Korrektur erforderlich ist.
  • Veränderungen ernst nehmen. Lahmheit, Rötung, Schwellung, auffälliger Geruch, Veränderungen des Horns oder andere Abweichungen sollten nicht einfach als überlange Klaue behandelt werden.
  • Auf Hygiene achten. Geeignetes Werkzeug muss sauber gehalten werden. Bei ansteckenden Klauenerkrankungen ist die Vermeidung einer Erregerübertragung besonders wichtig.
  • Bei Verdacht die Ursache klären. Nicht jede Lahmheit ist Moderhinke. Besteht jedoch der Verdacht auf eine ansteckende Klauenerkrankung, muss der gesamte Bestand berücksichtigt werden. Regelmäßige Klauenkontrolle bedeutet deshalb vor allem, Veränderungen frühzeitig wahrzunehmen und richtig einzuordnen. Der Klauenschnitt ist nur ein Teil der Klauenpflege und nicht bei jeder Kontrolle notwendig.

Der Schaflehrgang der Fernschule für Nutztierhaltung führt diese Grundlagen weiter und behandelt Haltung, Verhalten, Fütterung, Entwicklung, Gesundheit und rechtliche Vorgaben im Zusammenhang.

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Häufige Fragen

Kurz beantwortet.

Ersetzt ein Beitrag den Lehrgang?

Nein. Ein Beitrag beantwortet eine einzelne Frage. Ein Lehrgang behandelt eine Tierart vollständig: erst das Tier verstehen, dann füttern, dann züchten, dann Gesundheit. In den achtwöchigen Lehrgängen kommen Verantwortung und Recht dazu.

Kosten die Beiträge etwas?

Nein. Der Ratgeber ist frei zu lesen, ohne Anmeldung und ohne Konto.

Wer schreibt die Beiträge?

Die Fernschule für Nutztierhaltung, die auch die Lehrgänge schreibt.